18.06.2015: Meile 823 - Evolution Lake; 20 Meilen

Was würden wir nur ohne Pässe tun? Uns wäre ja so was von langweilig! Heute soll es der Muir Pass werden, der laut PCT-App der Leichteste sein soll.



Nun, am Ende des Tages frage ich mich, ob derjenige, der solche Apps stückt oder hilfreiche Wanderführer schreibt, überhaupt jemals diese Wege gegangen ist und wie verdammt noch mal er zu derartigen Aussagen kommt? Gestern Angst einflößend und heute leicht. Weder das eine noch das andere kann ich irgendwie nachvollziehen. Was soll an einem Pass leicht sein, der erst mal 10 Meilen 4000 Fuß bergauf geht? Und zwar abwechselnd steil und weniger steil? Er zieht sich einfach unendlich, und immer wenn ich denke, da geht es jetzt rüber, machen wir noch eine Biegung, steigen weiter und stehen vor der gleichen Situation erneut. Der niemals endende Anstieg. Gut, technisch war der Anstieg nicht schwierig, aber der gestern auch nicht!



Was jedoch nirgends erwähnt wird, aber absolut erwähnenswert wäre, ist die Tatsache, dass der Pass dem Namensgeber des John Muir Trail alle Ehre macht. Wir laufen den mit Abstand schönsten Pass hinauf. Immer parallel zu einem Fluss, der mal sanft dahin plätschert und mal laut tosend über riesige Felsen stürzt, führt uns der Weg hinauf. Wir kommen an kleinen vom Fluss gespeisten Seen vorbei, sehen unglaublich viel Wild, das sich überhaupt nicht von uns stören lässt und immer wieder sehen wir Wasserfälle, die im Fluss münden. Unglaublich schön wären da nicht die Strapazen des Aufstiegs, die bei Marlboro Man zu totaler Resignation (ich leg mich hier einfach hin und sterbe), bei Gladiator zu der Neuentdeckung der Langsamkeit (ich habe keine Energie mehr) und mit trotzigem Weiterstapfen (irgendwann muss ich doch oben sein) führt.



Dieser Pass verlangt uns alles ab, und als wir abends gemeinsam mit MM an einem erneut wunderschönen Zeltplatz sitzen, schieben wir unsere eher schlechten Gefühle von heute auf die permanente Unterernährung. Mittlerweile haben wir alles was zu viel ist aufgegessen. Wir können es kaum erwarten nach 10 Tagen, übermorgen, endlich etwas Normales zu essen, zu duschen und hoffentlich nach 19 Tagen das erste Mal wieder in einem Bett zu schlafen. Wir sind echt durch!

Aber trotz allem ist die Natur hier unglaublich und die Schönheit sowie Einmaligkeit und auch Geballtheit ist kaum zu ertragen.

 


Die mit Abstand grandiosesten Eindrücke der bisherigen 840 Meilen haben wir hier gemacht. Trotz allem!!!


das sind wir